Programm 2019 – Änderungen vorbehalten

Das vollständige Tagungsprogramm wird Ende Dezember/Anfang Januar veröffentlicht.

Den Lageplan können Sie über die Webseite der Goethe-Universitität einsehen: Lageplan


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Donnerstag 14 Mrz 2019

13:30 - 17:00 Preconference-Workshops

STAIR: Ein Therapieprogramm zur Behandlung komplexer Traumafolgen

Ingo Schäfer, Janine Borowski

Personen, die in ihrer Kindheit sexuellen Missbrauch oder Misshandlung erlebt haben, leiden oft nicht nur unter Symptomen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), sondern auch unter weiteren Beeinträchtigungen, etwa einer eingeschränkten Affektregulation, Schwierigkeiten in interpersonellen Beziehungen und einem negativen Selbstbild. Obwohl gerade diese zusätzlichen Symptombereiche, die inzwischen als typische Beschwerden im Rahmen einer „Komplexen PTBS“ interpretiert werden, maßgeblich zu den Alltagseinschränkungen Betroffener beitragen, werden sie in den existierenden Ansätzen zur Behandlung der PTBS nur selten systematisch berücksichtigt. Bei „STAIR/Narrative Therapie“ handelt es sich um einen solchen Behandlungsansatz, der zusätzlich zur Reduktion der PTBS-Symptomatik eine flexible Behandlung von Defiziten der Emotionsregulation und der interpersonellen Kompetenzen bei traumatisierten Personen erlaubt. Das Therapieprogramm stützt sich auf die langjährige klinische Erfahrung und verschiedene Forschungsarbeiten der Autorinnen (Cloitre et al. 2013) und integriert in einem phasenorientierten Vorgehen wirksame Interventionen zur Behandlung komplexer Traumafolgestörungen. Im Workshop wird eine Einführung in das Therapieprogramm gegeben, auf den individualisierten Einsatz von STAIR/NT sowie auf seinen Einsatz im Einzel- wie im Gruppensetting eingegangen.

Literatur:
Cloitre M, Cohen LR, Koenen KC (2013) Sexueller Missbrauch und Misshandlung in der Kindheit. Ein Therapieprogramm zur Behandlung komplexer Traumafolgen. Göttingen: Hogrefe-Verlag.

Do 13:30 - 17:00
30 max

Narrative Exposition (NET) – Behandlung von PTBS bei mehrfach traumatisierten Geflüchteten

Dorothea Isele

Ist ein Mensch im Laufe seines Lebens mehrfach traumatischen Erfahrungen ausgesetzt, so steigt sein Risiko eine Traumafolgestörung zu entwickeln. Je mehr erlebt wurde, desto höher die Erkrankungsrate.
Geflüchtete stellen in diesem Sinne eine Hochrisikogruppe dar. Misshandlungen, Kriegs- und Foltererlebnisse sowie traumatische Fluchtmomente brennen sich tief in ihr Gedächtnis. Quälenden Szenen aus der Vergangenheit drängen sich in Gedanken und Träume. Angst und Hilflosigkeit überdauern oft jahrelang. Es ist als würde das Schlimme im ‚Hier und Jetzt‘ wieder erlebt.
Maggie Schauer, Frank Neuner und Thomas Elbert (2011) entwickelten mit der Narrativen Expositionstherapie (NET) einen traumakonfrontativen Behandlungsansatz für eben diese PatientInnengruppe – Mehrfachtraumatisierte mit PTBS. Breite Evidenz belegt die Wirksamkeit der Methode, insbesondere für die Behandlung von Geflüchteten.
Die NET basiert auf dem kulturübergreifend praktizierten Element des Erzählens. Anfänglich wird in einer ‚Lebenslinienarbeit‘, unter Verwendung konkreter, greifbarer Materialien, das Erlebte geordnet. Steine und Blumen entlang einer Schnur repräsentieren dabei schlimme und schöne Lebenserfahrungen.
Anschließend werden die PatientInnen ermutigt, chronologisch von ihrem Leben zu berichten. Besonderen Raum bekommen traumatische Szenen. Die Sensorik, Gedanken, Gefühle und Körperreaktionen ‚von Damals‘ werden im narrativen Prozess aktualisiert und autobiografisch in Zeit und Ort integriert.
Der praxisnahe Workshop vermittelt die Grundlagen der NET sowie Besonderheiten bei der Arbeit mit Geflüchteten.

Do 13:30 - 17:00
12 max

DBT-PTSD: Dialektisch-Behaviorale Therapie der Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung

Kathlen Priebe

Die DBT-PTSD wurde als ein störungsspezifisches multimodulares Behandlungskonzept für Patientinnen und Patienten mit komplexer Posttraumatischer Belastungsstörung nach sexualisierter oder körperlicher Gewalterfahrung in der Kindheit entwickelt. Behandlungsalgorithmen geben vor, welche Interventionen bei welcher Symptomatik zu welchem Zeitpunkt eingesetzt werden sollten. Die DBT-PTSD integriert Komponenten der Dialektisch Behavioralen Therapie und der traumafokussierenden kognitiven Verhaltenstherapie sowie der Acceptance und Commitment Therapie und der Compassion Focused Therapy. Neben der Veränderung von Kognitionen und Emotionen fördert die DBT-PTSD die kognitive Distanzierung und Akzeptanz von Kognitionen und Emotionen sowie das Handeln trotz störender Kognitionen und Emotionen.
Die Wirksamkeit konnten in zwei randomisiert-kontrollieren Studien im stationären und ambulanten Bereich nachgewiesen werden: Beide Studien zeigten hohe Akzeptanz, Sicherheit und große Effektstärken. Dies ist insbesondere erwähnenswert, da in diesen Studien auch Patientinnen mit schweren dissoziativen Symptomen, chronischer Suizidalität und selbstverletzendem Verhalten eingeschlossen – und erfolgreich behandelt werden konnten.
Im Workshop werden das Behandlungsprogramm sowie die wichtigsten Behandlungsmethoden im Überblick vorgestellt. Ein Schwerpunkt liegt auf der Darstellung der Besonderheiten der  Patientengruppe sowie der Bearbeitung selbstwertbezogener Kognitionen und Emotionen. Darüber hinaus wird das Vorgehen der Skills-unterstützten Exposition gegenüber den primären, also während der Traumatisierung erlebten Emotionen, und deren Relativierung im gegenwärtigen Kontext vorgestellt.

Do 13:30 - 17:00
18 max

Achtsamkeit und liebende Güte in der Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung nach interpersoneller Gewalt

Marie Cloos

Achtsamkeitsbasierte Verfahren haben sich in der Behandlung der PTBS als wirksam erwiesen (Hopwood & Schutte, 2017). Die PTBS-Symptomatik wird insbesondere durch die Vermeidung traumaassoziierter Reize aufrechterhalten (O´Donnell et al., 2007). Einachtsames, das heißt absichtsvolles und nicht wertendes, Erleben des Augenblicks (Kabat-Zinn, 2015) ist diesem Vermeidungsverhalten entgegengesetzt. Da Opfer interpersoneller Gewalt neben den Kernsymptomen der PTBS häufig unter einem negativen Selbstbild und zwischenmenschlichen Problemen leiden, stellen Liebende Güte-Mediationen einen weiteren erfolgsversprechenden Behandlungsansatz dar. Liebende Güte beschreibt ein bindungsloses Wohlwollen allen Lebewesen gegenüber und die Akzeptanz aller Aspekte des Seins (Salzberg, 2002). Eine Pilotstudie zeigte starke Effekte von Liebende Güte-Meditationen auf die PTBS-Symptomatik (Kearney et al., 2007).
Das in diesem Workshop vorgestellte Behandlungsprogramm wurde für Patienten mit PTBS nach interpersonellen Gewalterfahrungen entwickelt und kürzlich im Rahmen einer Multiple-Baseline-Studie bezüglich seiner Wirksamkeit überprüft (Müller-Engelmann et al., in prep.). Es beinhaltet u.a. kürzere Übungen zur Stabilisierung sowie auf das Trauma bezogene Achtsamkeitsübungen und Übungen zur Akzeptanz der assoziierten Gefühle. Mithilfe eines liebevollen Begleiters werden außerdem Liebende Güte-Meditationen eingeführt. Im Workshop werden nach einer Vorstellung des Behandlungsprogramms einzelne Übungen angeleitet bzw. in Rollenspielen eingeübt.

Do 13:30 - 17:00
30 max

Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen im Sozialen Entschädigungsrecht und der gesetzlichen Unfallversicherung – Gutachtenstandards der DeGPT

Doris Denis, Ferdinand Haenel

Häufig ist festzustellen, dass klinische GutachterInnen in der Kausalitätsbeurteilung psychisch reaktiver Traumafolgen oft zu extrem gegensätzlichen Ergebnissen gelangen. Neben symptombedingter Behinderung der Exploration und besonderen Beziehungsaspekten, die die Objektivität der gutachterlichen Beurteilung beeinträchtigen können, sind es eine Vielzahl möglicher komorbider Störungen, die psychisch reaktive Traumafolgen überlagern und so zu Fehlbeurteilungen bei der Begutachtung führen können. Eine schädigungsunabhängige psychische Vorerkrankung macht die Beurteilung vollends schwierig.
Aus diesem Grund hat die DeGPT vor 2 Jahren ein zertifiziertes Fortbildungscurriculum verabschiedet, welches psychologische und ärztliche FachkollegInnen in die Lage versetzen soll, klinische Gutachten zu psychisch reaktiven Traumafolgen und ihrer Genese in sozialrechtlichen Verfahren fachkompetent zu erstellen. Die von der DeGPT entwickelten Standards für die schriftliche Gutachtenerstellung sollen dabei eine ausreichend begründete und für Dritte nachvollziehbare Beurteilung garantieren, die in der Praxis nicht immer gegeben ist.
In diesem Workshop sollen die speziellen Probleme anhand von Fallbeispielen (gerne auch mitgebrachte Fälle von TeilnehmerInnen) illustriert, die Standards der DeGPT zur Gutachtenerstellung der DeGPT erläutert und auf Besonderheiten bei der Exploration und Beurteilung hingewiesen werden.

www.degpt.de/curricula/degpt-curriculum-begutachtung.html

Literatur:
Haenel F, Denis D, Freyberger H. Die Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen im Rahmen des OEG. In: Seidler GH, Freyberger HJ, Maercker A. Handbuch der Psychotraumatologie. Stuttgart 2011; S. 735-745
Trauma & Gewalt - Themenheft „Begutachtungspraxis psychisch reaktiver Traumafolgen“, 8.Jg., Heft 2, Mai 2014

Do 13:30 - 17:00

Körperbildorientierte Interventionen in der Therapie traumatisierter Patientinnen

Anne Deyer

In Folge traumatischer Erfahrungen insbesondere von körperlicher Gewalterfahrungen in der Kindheit berichten Patientinnen von einer Vielfalt komorbide vorliegender Symptome und Störungen, wie Dissoziationen, Selbstverletzendem Verhalten, einem negativen Körperbild und Essstörungen. Neben einer insgesamt erhöhten Ekelsensitivität werden beispielsweise höchst aversive Gefühle bezogen auf bestimmte mit der Gewalterfahrung im Zusammenhang stehenden Körperregionen berichtet. Die State-of-the-Art Behandlung der PTBS ist nicht auf diese verschiedenen Symptomatiken ausgerichtet und ist bei vorliegender, komorbider Symptomatik erschwert. Desweiteren fehlen wissenschaftlich überprüfte Behandlungsmodule für diese Symptomatiken. 
Im Rahmen von zwei randomisiert kontrollierten Studien zur Evaluation der Dialektisch Behavioralen Therapie für Patienten mit PTBS in Folge körperlicher Gewalt in der Kindheit wurde das Behandlungsmodul entwickelt und überprüft.
Im Laufe dieses Workshops wird das Behandlungsmodul, welches spezifisch auf komorbide Körperbildstörungen zugeschnitten ist, vorgestellt.

Do 13:30 - 17:00
25 max

Körperbezogene Abwehrstrategien gegen traumatischen Stress: Wie sie erkannt, verstanden und bei der Behandlung von PTBS genutzt werden können

Karin Wild

Im Zentrum des Workshops stehen Muster, die sich originär als körperbezogener Bewältigungsversuch der traumatischen Ereignisse gebildet haben. Sie haben posttraumatisch für Funktionieren nach den Extremsituationen gesorgt. Bei der Alltagsbewältigung erweisen sie sich allerdings auch als dysfunktionale Muster. Daraus entwickeln sich körperbezogene Symptome. (Röhricht, 2011).
Im Workshop wird aufgezeigt, wie die körperbezogenen Abwehrstrategien erfasst und in fünf typische Bewegungstypen eingeordnet werden können. Diese empirisch-pragmatische Kategorisierung basiert auf langjähriger Erfahrung mit komplex traumatisierten Menschen in Gruppen- und Einzelarbeit. Um zu konkreten Ergebnissen zu gelangen, wurden n=100 Verläufe ausgewertet (Wild, 2018). Dabei handelt es sich um ein heuristisches Verfahren, das sich in der praktischen Anwendung bewährt.
Angesichts der hochbelasteten Körperebene vieler Patienten/-innen mit komplexer Posttraumatischer Belastungsstörung sind rasche, effektive Interventionen zur Stressreduktion wertvoll. Dies auch, weil die körperbezogenen Symptome nicht selten so beeinträchtigend erlebt werden, dass die Integration der traumatischen Erfahrung dadurch gestört oder sogar blockiert werden kann (van der Kolk, 2016).
Im Workshop werden praxisrelevante Interventionen dargestellt, die anhand der körperbezogenen Abwehrstrategien von traumabedingtem Stress abgeleitet werden können und sich im therapeutischen Setting und auch für die Alltagsbewältigung bewährt haben.

Röhricht F. (2011). Das theoretische Modell und die therapeutischen Prinzipien/Mechanismen einer integrativen Körperpsychotherapie (KPT) bei somatoformen Störungen. In: Psychotherapie-Wissenschaft. Giessen: Psychosozialverlag (1), 5 – 12

Van der Kolk B.A. (2016). Verkörperter Schrecken. Traumaspuren in Gehirn, Geist und Körper und wie man sie heilen kann. 2. Aufl., Lichtenau: G.P. Probst

Wild K. (2018). Bewegungstherapeutische Gruppenarbeit mit unterschiedlichen Bewegungstypen. In: Trauma und Gewalt, Forschung und Praxisfelder, Stuttgart: J.G. Cotta’sche Buchhandlung, 87 - 88

Do 13:30 - 17:00
50 max

EKVT: Entwicklungsangepasste kognitive Verhaltenstherapie für traumatisierte Jugendliche und junge Erwachsene

Jana Gutermann

Die Entwicklungsangepasste Kognitive Verhaltenstherapie (E-KVT; Matulis, Resick, Rosner & Steil, 2013) ist eine in vier Phasen gegliederte traumafokussierte Behandlung, die den speziellen Bedürfnissen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gerecht wird. Die Behandlung wurde insbesondere für Patienten mit PTBS in Folge körperlicher oder sexueller Gewalterfahrung entwickelt und erfolgreich erprobt. Diese leiden häufig neben der PTBS unter weiteren komorbiden Erkrankungen, Emotionsregulationsstörungen und dysfunktionalen Verhaltensweisen wie Selbstverletzung, Dissoziation und Suizidalität. Die Behandlung berücksichtigt diese Besonderheiten, u.a. durch eine zeitlich und inhaltlich intensive Phase der Traumabearbeitung unter Zuhilfenahme der adaptierten Cognitive Processing Therapy, einem besonders in den USA etablierten und sehr gut erlernbaren Traumatherapieverfahren.
Im Workshop werden Sie exemplarisch und mit Hilfe praktischer Übungen Einblick in jede Phase der Therapie erhalten: Motivations- & Beziehungsaufbau, Emotionsregulation, Traumafokussierte Intensivphase mithilfe der Cognitive Processing Therapy (CPT) nach Resick et al. (2008); mit mehreren Sitzungen pro Woche, Unterstützung bei Entwicklungsaufgaben der Jugendlichen

Do 13:30 - 17:00
20 max

A primer on the use of reconsolidation in clinical practice

Alain Brunet

Do 13:30 - 17:00

Die Behandlung von Alpträumen

Reinhard Pietrowski

Alpträume kommen in der psychotherapeutischen Praxis relativ häufig vor und spielen bei Patienten mit Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) eine wichtige und oft sehr belastende Rolle. Abgesehen vom Auftreten im Rahmen einer PTBS wurde ihnen bislang wenig Beachtung geschenkt und auch bei der Behandlung der PTBS wurden die Alpträume oft nicht explizit angegangen. Entsprechend gibt es kaum etablierte Behandlungsverfahren. In dem Workshop sollen die Ursachen und vor allem die Behandlungsmöglichkeiten von Alpträumen vorgestellt werden. Ein Schwerpunkt ist die Darstellung eines manualisiertes Therapiekonzepts zur Behandlung von Alpträumen auf der Grundlage der Imagery Rehearsal Therapie (IRT). Bei der IRT handelt es sich um ein imaginatives Verfahren, welches das Umschreiben (Rescripting) des ursprünglichen Alptraums in einen neutralen oder positiven Traum und das imaginative Einüben dieses neuen Traumskriptes beinhaltet, welches den ursprünglichen Alptraum überschreibt. Zudem werden durch die IRT die Selbstwirksamkeit und das Selbstvertrauen erhöht. Die IRT ist erwiesenermaßen geeignet zur Behandlung von idiopathischen und posttraumatischen Alpträumen. In dem Workshop wird anhand zahlreicher praktischer Übungen das IRT-Verfahren demonstriert und selbst angewandt.

Do 13:30 - 17:00
30 max

Psychotherapie und Diagnostik bei anhaltender Trauerstörung

Birgit Wagner

Im ICD-11 wurde die anhaltende Trauer als eigenständiges Krankheitsbild aufgenommen, welches sich von der Depression, posttraumatischen Belastungsstörung oder Anpassungsstörung unterscheidet.
Dennoch stellen sich eine Reihe von offenen Fragen in Bezug auf die anhaltende Trauerstörung als klinische Diagnose. Ab wann ist Trauer eine psychische Erkrankung? Inwieweit unterscheiden sich normale Trauerverläufe von pathologischen Trauerverläufen? Im ersten Teil des Workshops wird eine Einführung in die anhaltende Trauerstörung als diagnostisches Kriterium und Besonderheiten von spezifischen Trauergruppen (z.B. trauernde Eltern, trauernde Geschwister) gegeben. Im zweiten Teil werden spezifische therapeutische Methoden der Behandlung der anhaltenden Trauerstörung anhand von Fallbeispielen vorgestellt. Ein Schwerpunkt liegt hierbei bei den bindungsorientierten Methoden, wie beispielsweise Imagery Rescripting und die Stuhlarbeit (z.B. leere Stuhl-Übung). Ebenso soll auf die Psychotherapie von Hinterbliebenen nach einem Suizid eingegangen werden mit einem Fokus auf Schuldgefühlen, Umgang mit Stigmatisierung und Schamerleben. Mithilfe von Rollenspielen, Videos und Arbeitsmaterialien werden die therapeutischen Techniken exemplarisch vorgestellt.

Do 13:30 - 17:00
20 max

START – Ein Konzept zur Erststabilisierung stark belasteter Kinder und Jugendlicher

Andrea Dixius, Eva Möhler

START ist ein niedrigschwelliges und kulturintegratives Stabilisierungskonzept und validiert Kinder und Jugendliche mit starkem Stresserleben, Traumafolgen und schweren emotionalen Belastungen. Das strukturierte, modulare Kurzzeit-Interventionskonzept wurde im Rahmen der praktischen Arbeit mit minderjährigen Flüchtlingen in Clearingkontexten und in der Versorgung der Kinder- und Jugendpsychiatrie für hoch belastete Jugendliche entwickelt. Die Interventionen wurden in Praxis erprobt und erste Evaluationsdaten zur Wirksamkeit liegen vor. START adaptiert Elemente aus der DBT-A, Tf-KVT, EMDR und Alptraumtherapie. Die primäre Zielsetzung liegt auf der raschen Stabilisierung und Arousal-Regulation durch die zu Hilfenahme von speziellen, gut wirksamen Skills und funktionalen, adaptiven Handlungsstrategien. Im zweiten Schritt fokussiert die Intervention auf die Stärkung der Selbstwirksamkeit und Selbstfürsorge sowie auf Resilienzförderung. Die praktische Durchführung der 5 Module wird durch das START-Manual mit reichhaltigem Bildmaterial, multilingualen Info-/ und Übungsblätter (arabisch, dari, deutsch, italienisch, englisch) in Print- und Audioversion, erleichtert.
Im Workshop wird das START-Konzept in Theorie und Praxis vorgestellt. In praktischen Übungen besteht die Möglichkeit Interventionen zu erproben und Materialien und verwendete Skills kennen zu lernen.

Weiterführende Informationen & Publikationen: www.startyourway.de

Do 13:30 - 17:00

IRRT (Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy) Trauma, Trauer, Sucht und Innere-Kind-Arbeit

Rolf Köster

Imaginationen stellen einen wirksamen Zugang zur Ebene des emotionalen Erlebens dar, auf der viele seelische Störungen im subjektiven Empfinden der Betroffenen ihren Ursprung haben und aufrechterhalten werden. In der IRRT können belastende Erinnerungen nach der emotionalen Aktivierung (Phase 1) mithilfe des imaginativen Um-Schreibens effektiv aufgelöst werden. Dabei wird als zusätzliche Persönlichkeitsinstanz das AKTUELLE ICH der Patienten eingeführt, welches dann einerseits einen anwesenden Täter entmachtet (Phase 2) und andererseits das (traumatisierte) DAMALIGE ICH beruhigt (Phase 3).
M. Schmucker entwickelte die IRRT zur Behandlung erwachsener Opfer eines kindlichen sexuellen Missbrauchs (Typ II-Traumata), später auch zur Behandlung einmaliger Traumatisierungen (Typ I-Traumata).
In der Zusammenarbeit mit R. Köster konnte das Indikationsspektrum erheblich erweitert werden. Folgen nichttraumatischer seelischer Belastungen wie Angststörungen und Depressionen lassen sich mit dem gleichen Ansatz wie posttraumatische Störungen behandeln.
Bei der Behandlung anhaltender Trauerstörungen mit IRRT entwickelt sich die Auflösung der blockierten Verarbeitungsschritte einer Trauerreaktion in der imaginativen Kommunikation des FUSIONIERTEN ICHS (AKTUELLES und DAMALIGES ICH sind nicht getrennt) mit dem Verstorbenen.
Bei der Rückfallaufarbeitung (Sucht etc.) mit IRRT wird die Rückfallsituation wie eine posttraumatische Reaktion in der Imagination bearbeitet, so dass der Patient eigene Rückfall-Bewältigungsbilder und Fähigkeiten zur Emotionsregulation entwickelt.
Aus der Phase 3 der Behandlung posttraumatischer Störungen entstand die »reine IRRT-Phase-3-Behandlung«, in der das AKTUELLE ICH in der Begegnung mit dem INNEREN KINd eine Begegnung mit sich selbst vollzieht. Dabei können maladaptive Selbstschemata aktualisiert und korrigiert werden.
Im Workshop werden die verschiedenen Ansätze der IRRT-Arbeit hergeleitet und anhand von Videoausschnitten verdeutlicht.

Do 13:30 - 17:00
30 max

18:00 - 20:00 Eröffnung der Tagung

Keine Workshops in dieser Sitzung.

Freitag 15 Mrz 2019

9:00 - 10:30 Vorträge

ICD-11: A revolution in PTSD diagnosis

Chris Brewin

Not since 1980 has there been such a change in the conceptualisation and diagnosis of PTSD as that introduced by ICD-11 in 2018. According to ICD-11 the PTSD diagnosis can be defined in terms of the combination of three core elements, re-experiencing the traumatic event in the present, deliberate avoidance of reminders, and a persisting sense of threat. Complex PTSD (CPTSD) is a separate disorder that consists of both the core PTSD symptoms as well as disturbances in self-organisation, characterised by: 1) severe and pervasive problems in affect regulation; 2) persistent beliefs about oneself as diminished, defeated or worthless; and 3) persistent difficulties in sustaining relationships and in feeling close to others. In contrast to DSM-5 there is an explicit focus on symptoms that best discriminate PTSD and CPTSD from other disorders with which they are commonly comorbid. I will describe the problems as well as the different ways of working that have led to the current discrepancies between DSM-5 and ICD-11, and summarize the picture that is emerging concerning the distinction between two new diagnoses, the likely impact on prevalence rates, and the extent of diagnostic overlap.

Fr 9:00 - 10:30

Die neue S3-Leitlinie zur Behandlung der PTBS

Ingo Schäfer

Die deutsche S3-Leitlinie zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) wurde 2011 unter Federführung der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) verabschiedet und in den letzten Jahren neu überarbeitet. Zusätzlich zu den Verbänden, die bereits am Upgrade zur S3-Leitlinie mitgewirkt hatten, konnten verschiedene weitere Fachgesellschaften dafür gewonnen werden sich am Überarbeitungsprozess zu beteiligen. Bei der Überarbeitung wurden die bereits in der letzten Fassung enthaltenen Empfehlungen aktualisiert und dabei verschiedene neue Aspekte berücksichtigt. So lag zur psychotherapeutischen Behandlung der PTBS bereits seit längerer Zeit eine gute Evidenz zu verschiedenen Therapieverfahren vor, die sich allerdings bislang vorwiegend auf Patienten ohne wesentliche Komorbiditäten bezogen hatte. Auch Patienten mit komplexen Traumatisierungen waren häufig nicht explizit berücksichtigt worden. Anhand einer systematischen Literaturrecherche wurde der aktuelle Stand zu diesen und weiteren Fragestellungen ermittelt und bei der Formulierung der Empfehlungen berücksichtigt. Im Vortrag wird ein Überblick über den Überarbeitungsprozess der S3-Leitlinine PTBS und die schließlich verabschiedeten Empfehlungen gegeben. Dabei wird ein Schwerpunkt wird auf verschiedene Neuerungen der Leitlinie gelegt.

Fr 9:00 - 10:30

11:00 - 12:30 Symposien 1

Keine Workshops in dieser Sitzung.

13:30 - 14:15 Preisverleihung und Preisvorträge

Preisverleihung und Preisvorträge

Fr 13:30 - 14:15

14:30 - 16:00 Symposien 2

Keine Workshops in dieser Sitzung.

16:30 - 18:00 Vorträge

Diagnostik und Therapie der Anhaltenden Trauerstörung

Rita Rosner

In der ICD-11 wird die Diagnose Anhaltende Trauerstörung (ATS) neu eingeführt. Da international seit vielen Jahren zum Thema pathologische Trauerprozesse geforscht wird, liegt nun ein ausreichender Kenntnisstand, sowohl zum Nutzen der neuen Diagnose als auch zur Behandlung, vor.
Etwa 5 - 10% der Trauernden entwickeln eine ATS. Kennzeichen sind neben Beeinträchtigungen im alltäglichen Leben, eine intensive, anhaltende Sehnsucht nach dem Verstorbenen und eine ständige gedankliche Beschäftigung mit der verstorbenen Person. Weitere erforderliche diagnostische Kriterien beschreiben intensiven emotionalen Schmerz: Traurigkeit; Schuldgefühle, eine mangelnde Akzeptanz des Verlustes sowie Schwierigkeiten, an sozialen oder anderen Aktivitäten teilzunehmen. Risikofaktoren für die Entstehung der ATS sind unter anderem die Art des Verlustes, Todesumstände und Bewältigungsprozesse.
Neben der Abgrenzung zur normalen Trauer ist in der Differentialdiagnostik insbesondere die Abgrenzung zur Depression und der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) relevant. Depression, PTBS und ATS unterscheiden sich in wesentlichen Punkten, treten aber auch häufig komorbid auf. Metaanalysen ermöglichen die Bewertung der Effektivität unterschiedlicher psychotherapeutischer aber auch pharmakologischer Interventionen. Während präventive Ansätze ebenso wenig hilfreich erscheinen wie pharmakologische, zeigen sich in aktuellen Studien hohe Effektstärken für psychotherapeutischer Behandlungsansätze.

Fr 16:30 - 18:00

Warum brauchen wir mehr Traumasensibilität in der Jugendhilfe? Was können traumapädagogische Konzepten in der Praxis der Heimerziehung bewirken?

Marc Schmid

Traumapädagogische Ausbildungen boomen – über 40 Institute bieten inzwischen von der DeGPT und Fachverband Traumapädagogik zertifizierte Ausbildungen an. Das große Interesse der Jugendhilfe ist verständlich, fordern doch viele traumatisierte Jugendliche sie sehr heraus, da traditionelle Konzepte den spezifischen Bedürfnissen von traumatisierten Kindern und Jugendlichen mit ihren Schwierigkeiten in der Selbst- und Beziehungsregulation nur bedingt gerecht werden. Viel zu viele Jugendhilfemaßnahmen enden im Abbruch. Zunehmend zeigt sich wegen der hohen Belastung, dem familienunfreundlichen Schichtdienst und dem hohen Risiko für persönliche Grenzverletzungen auch ein Fachkräftemangel.
Für eine erfolgreiche Umsetzung von traumapädagogischen Konzepten ist die Ausbildung von Fachkräften eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Eine Sensibilisierung der ganzen Organisation ist vonnöten. Um zu erreichen, dass sich Fachkräfte in den oft sehr herausfordernden Interaktionen selbstwirksam fühlen, brauchen diese auf einer administrativen, fachlichen und vor allem auf einer emotionalen Ebene Unterstützung. Nur sichere Fachkräfte können korrigierende Beziehungserfahrungen vermitteln.
In diesem Vortrag werden die Herausforderungen, die Traumafolgestörungen an die Fachkräfte in der Jugendhilfe stellen, beschrieben und die für eine traumasensible Jugendhilfe nötigen Rahmenbedingungen und Unterstützungsmöglichkeiten für die Teams diskutiert. Abschließend werden die Ergebnisse eines Modellversuchs vorgestellt, welche zeigen, dass sich auch auf neurobiologischer Ebene eine Stressreduktion bei den Fachkräften und Klienten nachweisen lässt.

Fr 16:30 - 18:00

18:15 - 19:30 DeGPT-Mitgliederversammlung

DeGPT-Mitgliederversammlung

18.15 - 19.30 Uhr
DeGPT-Mitgliederversammlung

ab 20.00 Uhr
Tagungsfest

Fr 18:15 - 19:30

Samstag 16 Mrz 2019

9:00 - 10:30 Vorträge

Reconsolidation: toward a new innovative intervention for the treatment of trauma-related disorders

Alain Brunet

Sa 9:00 - 10:30

Innovative Behandlung der PTBS nach interpersonellen Gewalterfahrungen in der Kindheit: DBT-PTSD (Dialektisch-Behaviorale Therapie der PTBS) und CPT (Cognitive Processing Therapy) im Vergleich

Regina Steil

Sa 9:00 - 10:30

11:00 - 12:30 Symposien 3

Keine Workshops in dieser Sitzung.

13:15 - 14:00 Postersession

Keine Workshops in dieser Sitzung.

14:00 - 15:30 Symposien 4

Keine Workshops in dieser Sitzung.

15:45 - 16:30 Vorträge

Erscheinungsformen und Ursachen von Amoktaten durch junge und erwachsene Täter

Britta Bannenberg

Amoktaten sind „beabsichtigte versuchte oder vollendete Mehrfachtötungen nach dem Typus des Massenmordes, bei denen in der Regel ein Einzeltäter aus Wut, Hass und Rache bestimmte oder auch willkürlich ausgewählte Opfer attackiert. Der Täter bezweckt Ruhm oder Aufmerksamkeit und begeht häufig im Anschluss an die Tat Suizid. Junge Täter bis zum Alter von 23 Jahren unterscheiden sich von der heterogeneren Gruppe der Erwachsenen. Bei einer Kerngruppe junger Täter finden sich Persönlichkeitsauffälligkeiten, die tatbestimmend sind. Der stille, zurückgezogene, aber immer etwas seltsame Einzelgänger hat ein tiefgehendes Fremdheitsgefühl, fühlt sich gekränkt und missachtet, identifiziert sich mit Tätern und inszeniert schließlich seine Tat als Rache für subjektiv erlebte Kränkungen. Schizotypische, paranoide und narzisstische Aspekte dominieren. Die Täter sind nicht impulsiv, aggressiv oder dissozial.“ (Schlussbericht des BMBF-geförderten Projekts TARGET, 2017)
Im Vortrag werden Charakteristika junger und erwachsener Amoktäter aufgezeigt und die Entwicklung der Persönlichkeit erklärt. Die empirischen Erkenntnisse geben Hinweise auf Ursachenerklärung, Prävention und Prognose. Interessant ist, dass Amoktäter und terroristische Einzeltäter Gemeinsamkeiten aufweisen.

Sa 15:45 - 16:30