Programm 2020 – Änderungen vorbehalten

Das vollständige Tagungsprogramm wird Ende 2019/Anfang 2020 zur Verüfung stehen.

 


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Donnerstag 13 Feb 2020

10:00 - 13:30 Preconference-Workshops I

STARK: Skills-Training zur Affektregulation – ein kultursensibler Ansatz: Therapiemanual für Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund

Theresa Koch, Alexandra Liedl

„Es fühlt sich an wie eine Störung in der Gangschaltung. Ich kann nicht mehr kontrolliert von einem Gang in den nächsten schalten, sondern es geht automatisch der Aggressions-Gang rein.“
Schwierigkeiten in der Emotionsregulation, wie sie ein Klient aus Afghanistan hier schildert, sind häufige Begleiterscheinungen der psychischen Belastungen, denen Geflüchtete im Exil ausgesetzt sind, nachdem sie aufgrund von Krieg, Gewalt und Vertreibung ihr Land verlassen mussten. So kann es immer wieder zu Situationen mit gefühlter Ohnmacht und Kontrollverlust kommen, z.B. destruktiven Handlungsweisen (Selbstverletzendes Verhalten, vermehrter Alkoholkonsum etc.), sozialem Rückzug und Impulsivität. Der Umgang mit den eigenen Gefühlen und die Anwendung nützlicher Strategien kann jedoch erlernt werden.
In dem Workshop wird ein transdiagnostisches Behandlungskonzept vorgestellt, das auf die Verbesserung von Emotionsregulationsfähigkeiten abzielt: Das Gruppentherapieprogramm „Skills-Training der Affektregulation – Ein kultursensibler Ansatz: STARK“. Das Programm wurde von erfahrenen Psychotherapeut*innen von Refugio München speziell für Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund entwickelt und wird von diesen in der Fortbildung auch vorstellt. In Kooperation mit der LMU München wurde die Wirksamkeit des Programms anhand einer randomisiert kontrollierten Studie nachgewiesen. Das STARK-Manual enthält umfassende, anschaulich aufbereitete Hintergrundinformationen, ausführliche Anleitungen zu allen Schritten des Trainings sowie eine Vielzahl von Arbeitsblättern und weiterer Ressourcen, die es Therapeut*innen wie Klient*innen erleichtern die Inhalte flexibel einzusetzen. Das Manual ist für das Gruppensetting konzipiert. Einzelne Module können aber auch im Einzelsetting (Therapie oder Beratung) realisiert werden.
Ziel des Workshops ist es, zum einen für die Thematik der Emotionsregulation zu sensibilisieren und zum anderen erste Handlungsideen für den Beratungs- und Therapiealltag kennenzulernen.

Do 10:00 - 13:30
25 max

Psychotherapeutische Behandlung traumatisierter Geflüchteter

Tanja Waiblinger, Maria Prochazkova

In diesem dreistündigen Workshop wird gezielt auf die diagnostische und traumatherapeutische Herausforderung in der Versorgung von schwer traumatisierten Geflüchteten, Folter- und Kriegsüberlebenden eingegangen, da langanhaltende Therapieeffekte nur unter durchgehender Mitberücksichtigung der aktuellen Kontextbedingungen, im Besonderen der aufenthaltsrechtlichen Situation erzielt werden können. Allzu häufig wird in der Arbeit mit Geflüchteten ein traumatherapeutisches Vorgehen aus dem psychosozialen Helfernetzwerk gefordert, ohne zu berücksichtigen, dass hierfür bestimmte Grundvoraussetzungen gegeben sein müssen.
Das Zentrum Überleben versucht dieser Aufgabe durch ein intensives Clearing- und Screeningverfahren gerecht zu werden, um den Anfragenden ein bestmögliches Hilfs- und/oder Behandlungsangebot machen zu können.
Im Workshop wird dies praktisch anhand des Best-Practice-Ansatzes der ambulanten Abteilung des Zentrum Überleben (ehemals Behandlungszentrum für Folteropfer, Berlin) veranschaulicht- und an einer Fallvignette mit Hilfe von Rollenspielen und Kleingruppenarbeit weiter vertieft werden.
Das therapeutische Vorgehen im Zentrum Überleben folgt dabei einem eklektischen Ansatz, d.h. es wird in diesem Workshop kein manualisiertes Vorgehen präsentiert werden. Vielmehr stellen wir einzelfall- und symptombezogene Interventionen aus unterschiedlichen therapeutischen Schulen (mehrheitlich aus der KVT) vor. Dabei werden vor allem die klinisch relevanten posttraumatischen Beschwerden vor dem Hintergrund anhaltender psychosozialer Stressbelastung berücksichtigt.
Soweit es zeitlich möglich ist werden wir unterschiedliche traumafokussierte Therapieansätze (NET, IRRT) und deren Anwendbarkeit in der Arbeit mit Geflüchteten andiskutieren.

Do 10:00 - 13:30
25 max

Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen im Sozialen Entschädigungsrecht und der gesetzlichen Unfallversicherung – Gutachtenstandards der DeGPT

Doris Denis, Ferdinand Haenel

Häufig ist festzustellen, dass klinische GutachterInnen in der Kausalitätsbeurteilung psychisch reaktiver Traumafolgen oft zu extrem gegensätzlichen Ergebnissen gelangen. Neben symptombedingter Behinderung der Exploration und besonderen Beziehungsaspekten, die die Objektivität der gutachterlichen Beurteilung beeinträchtigen können, sind es eine Vielzahl möglicher komorbider Störungen, die psychisch reaktive Traumafolgen überlagern und so zu Fehlbeurteilungen bei der Begutachtung führen können. Eine schädigungsunabhängige psychische Vorerkrankung macht die Beurteilung vollends schwierig.
Aus diesem Grund hat die DeGPT vor 2 Jahren ein zertifiziertes Fortbildungscurriculum verabschiedet, welches psychologische und ärztliche FachkollegInnen in die Lage versetzen soll, klinische Gutachten zu psychisch reaktiven Traumafolgen und ihrer Genese in sozialrechtlichen Verfahren fachkompetent zu erstellen. Die von der DeGPT entwickelten
Standards für die schriftliche Gutachtenerstellung sollen dabei eine ausreichend begründete und für Dritte nachvollziehbare Beurteilung garantieren, die in der Praxis nicht immer gegeben ist.
In diesem Workshop sollen die speziellen Probleme anhand von Fallbeispielen (gerne auch mitgebrachte Fälle von TeilnehmerInnen) illustriert, die Standards der DeGPT zur Gutachtenerstellung der DeGPT erläutert und auf Besonderheiten bei der Exploration und Beurteilung hingewiesen werden.

www.degpt.de/curricula/degpt-curriculum-begutachtung.html

Literatur:
Haenel F, Denis D, Freyberger H. Die Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen im Rahmen des OEG. In: Seidler GH, Freyberger HJ, Maercker A. Handbuch der Psychotraumatologie. Stuttgart 2011; S. 735-745
Trauma & Gewalt - Themenheft „Begutachtungspraxis psychisch reaktiver Traumafolgen“, 8.Jg., Heft 2, Mai 2014

Do 10:00 - 13:30

Die Versorgung schwersttraumatisierter Überlebender von Folter und Gewalt (Kinder & Jugendliche) durch ein multiprofessionelles Team von Fachärzt*innen, Psychotherapeut*innen und Sozialarbeiter*innen

Simone Wasmer

Hintergrund: Der Zugang zur medizinischen Versorgung ist für schwersttraumatisierte Überlebende von Folter und Gewalt, die einen Asylantrag in Deutschland stellen, nach wie vor nicht umfangreich gesetzlich gewährleistet. Die Personengruppe der besonders schutzbedürftigen Minderjährigen hat keinen uneingeschränkten Zugang zu Gesundheitsleistungen wie der Psychotherapie. Das multiprofessionelle Team der Ambulanten Abteilung für Kinder und Jugendliche (KJA) im Zentrum ÜBERLEBEN – vormals Behandlungszentrum für Folteropfer – bietet dieser Personengruppe eine umfassende sprachmittelgestützte psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung, begleitet durch Soziale Arbeit.

Methode: Mit Hilfe von Fallbeispielen werden die Rahmenbedingungen und das Behandlungskonzept veranschaulicht, in und mit welchen eine Behandlung stattfindet. Dabei wird auf die unterschiedlichen Gruppen der unbegleiteten Minderjährigen sowie die Gruppe der Kinder und Jugendlichen die mit ihren Familien oder erwachsenen Bezugspersonen einreisen, eingegangen.
Es werden die Möglichkeiten und Einschränkungen der Traumabehandlung im Spannungsfeld von Asyl- & Aufenthaltsrecht und Leistungsrechten veranschaulicht und Verläufe in der Symptomatik präsentiert.

Ergebnisse: Die KJA als multiprofessionales Team bietet einen erfolgreichen Ansatz in der komplexen psychosozialen Versorgung von schwersttraumatisierten Minderjährigen an, ausgehend von der Rehabilitation und begleitend in den Maßnahmen der Integration. Dabei arbeitet das Team stetig strukturell für einen besseren Zugang zur gesundheitlichen Regelversorgung.

Do 10:00 - 13:30
20 max

14:00 - 17:30 Preconference-Workshops II

Psychotherapie und Diagnostik bei anhaltender Trauerstörung

Birgit Wagner

Im ICD-11 wurde die anhaltende Trauer als eigenständiges Krankheitsbild aufgenommen, welches sich von der Depression, posttraumatischen Belastungsstörung oder Anpassungsstörung unterscheidet.
Dennoch stellen sich eine Reihe von offenen Fragen in Bezug auf die anhaltende Trauerstörung als klinische Diagnose. Ab wann ist Trauer eine psychische Erkrankung? Inwieweit unterscheiden sich normale Trauerverläufe von pathologischen Trauerverläufen? Im ersten Teil des Workshops wird eine Einführung in die anhaltende Trauerstörung als diagnostisches Kriterium und Besonderheiten von spezifischen Trauergruppen (z.B. trauernde Eltern, Angehörige nach einem Suizid, trauernde Geschwister) gegeben. Im zweiten Teil werden spezifische therapeutische Methoden der Behandlung der anhaltenden Trauerstörung anhand von Fallbeispielen vorgestellt. Ein Schwerpunkt liegt hierbei bei den bindungsorientierten Methoden, wie beispielsweise Imagery Rescripting und die Stuhlarbeit (z.B. leere Stuhl-Übung). Ebenso soll auf die Psychotherapie von Hinterbliebenen nach einem Suizid eingegangen werden mit einem Fokus auf Schuldgefühlen, Umgang mit Stigmatisierung und Schamerleben. Mithilfe von Rollenspielen, Videos und Arbeitsmaterialien werden die therapeutischen Techniken exemplarisch vorgestellt.

Do 14:00 - 17:30
25 max

Behandlung der Komplexen PTBS: Das Therapieprogramm „STAIR/NT“

Ingo Schäfer, Janine Borowski

Personen, die in ihrer Kindheit sexuellen Missbrauch oder Misshandlung erlebt haben, leiden oft nicht nur unter Symptomen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), sondern auch unter weiteren Beeinträchtigungen, etwa einer eingeschränkten Affektregulation, Schwierigkeiten in interpersonellen Beziehungen und einem negativen Selbstbild. Obwohl gerade diese zusätzlichen Symptombereiche, die inzwischen als typische Beschwerden im Rahmen einer „Komplexen PTBS“ interpretiert werden, maßgeblich zu den Alltagseinschränkungen Betroffener beitragen, werden sie in den existierenden Ansätzen zur Behandlung der PTBS nur selten systematisch berücksichtigt. Bei „STAIR/Narrative Therapie“ handelt es sich um einen solchen Behandlungsansatz, der zusätzlich zur Reduktion der PTBS-Symptomatik eine flexible Behandlung von Defiziten der Emotionsregulation und der interpersonellen Kompetenzen bei traumatisierten Personen erlaubt. Das Therapieprogramm stützt sich auf die langjährige klinische Erfahrung und verschiedene Forschungsarbeiten der Autorinnen (Cloitre et al. 2013) und integriert in einem phasenorientierten Vorgehen wirksame Interventionen zur Behandlung komplexer Traumafolgestörungen. Im Workshop wird eine Einführung in das Therapieprogramm gegeben, auf den individualisierten Einsatz von STAIR/NT sowie auf seinen Einsatz im Einzel- wie im Gruppensetting eingegangen.

Literatur:
Cloitre M, Cohen LR, Koenen KC (2013) Sexueller Missbrauch und Misshandlung in der Kindheit. Ein Therapieprogramm zur Behandlung komplexer Traumafolgen. Göttingen: Hogrefe-Verlag.

Do 14:00 - 17:30
35 max

Therapiekonzept bei DIS nach organisierter Ritueller Gewalt

Claudia Maria Fliß

Vorgestellt wird ein Therapiekonzept mit verschiedenen Bausteinen, die in dieser, aber auch in einer veränderten Reihenfolge Bestandteil einer erfolgreichen Traumatherapie mit Betroffenen von organisierter Ritueller Gewalt sein können. Die vorgeschlagenen Bausteine enthalten eine Diagnostik inklusive unspezifischer Symptome, die Klärung des Therapieauftrags, den Kontaktaufbau mit einem aus vielen Persönlichkeiten bestehenden Gegenübers sowie wesentliche Elemente eines Therapieprozesses. Methodisch wird „ins System der Persönlichkeiten hinein“ gearbeitet, bisherige Erkenntnisse aus dem Therapieprozess werden fortlaufend gesammelt und geprüft, die Frage nach fortbestehendem Täterkontakt begleitet den therapeutischen Prozess regelmäßig wiederkehrend. Typische Programme sowie eine Methode zur Deprogrammierung werden vorgestellt. Ein therapeutischer Umgang mit der üblicherweise grundlegend erfolgten und durchgängig wirkenden sexuellen Konditionierung im Zusammenhang mit Ritualen und mit dem Menschenhandel wird vorgeschlagen. Die kaum bis gar nicht bewussten Effekte der lebenslang erfolgten Mind Control werden herausgearbeitet. Eine zunehmende Abwendung von den meistens noch lange andauernden Täterkontakten wird erarbeitet und ein Plan für den endgültigen Ausstieg erstellt. Ein tiefgreifender Trauerprozess und eine Neuorientierung bilden das Ende des therapeutischen Prozesses. Das Ziel ist: endlich frei und lebend! 

Do 14:00 - 17:30

Kinder mit sexualisierten Gewalterfahrungen stabilisieren

Julia Gebrande

Immer wieder werden Fälle von sexualisierter Gewalt an Kindern bekannt. Aber was bedeutet das in der Folge für die betroffenen Kinder? Häufig führen sexuelle Missbrauchserfahrungen zu kurz- und langfristigen Problemen und können traumatisierend wirken. Betroffene Kinder brauchen daher eine wirksame Unterstützung zur Stabilisierung. Dabei gerät neben therapeutischen Aspekten vor allem der Alltag in den Blick. Wenn Sie mit Kindern arbeiten und sich in Bezug auf die Thematik „Sexueller Missbrauch“ manchmal unsicher fühlen, dann haben Sie in diesem Workshop die Gelegenheit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und verschiedene leichte und spielerische Herangehensweisen an dieses schwere Thema kennenzulernen. Was benötigen Sie an Wissen, Kompetenzen und Handlungsfertigkeiten, um Kindern nach Aufdeckung eines sexuellen Missbrauchs helfend zur Seite zu stehen und bei ihnen durch Interventionen im Alltag zur Aktivierung von Selbstheilungskräften und günstigen Verarbeitungsstrategien beizutragen? In diesem Workshop mit kurzen Theorieinputs, praktischen Übungen sowie der Vorstellung von Materialien für die Stabilisierung von Kindern, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, werden diese Fragen aufgegriffen und Ihnen praktische Antworten, Ideen und Anregungen für den pädagogischen Alltag präsentiert, wie Kinder mit sexualisierten Gewalterfahrungen Unterstützung erhalten und professionelle Bezugspersonen an Handlungssicherheit gewinnen können.

Do 14:00 - 17:30

18:00 - 20:00 Eröffnung der Tagung

Keine Workshops in dieser Sitzung.

Freitag 14 Feb 2020

9:00 - 10:30 Vorträge

Traumatischer Erfahrungen und ihre Folgen – eine Lebensspannenperspektive

Heide Glaesmer

Traumatische Erfahrungen in Kindheit und Jugend und über die gesamte Lebenspanne haben vielfältige, komplexe und oft langfristige Folgen, die über Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit weit hinausgehen. Es steht heute außer Frage, dass neben klassischen Traumafolgestörungen und weiteren psychischen Störungen als Folge von Traumatisierungen auch körperliche Erkrankungen gehäuft auftreten. Es mehren sich zudem Hinweise, dass Prävalenz und Inzidenz dementieller Veränderungen bei traumatisierten Personen erhöht sind und beschleunigte Alterungsprozesse in Betracht gezogen werden müssen. Neben den gesundheitlichen Folgen sind auch andere Konsequenzen zu berücksichtigen: Traumatische Erfahrungen können die Selbst- und Weltsicht verändern – im positiven wie im negativen Sinne. Gerade den positiven Veränderungen wir noch zu wenig Beachtung geschenkt, obwohl es aus heutiger Perspektive sinnvoll erscheint, sich die Folgen traumatischer Erfahrungen als dualen Prozess vorzustellen, der (positives) Wachstum und (negative) Belastungen gleichermaßen umfasst.
Im Vortrag wird ein Überblick über Konzepte und empirische Befunde zu den Folgen traumatischer Erfahrungen aus einer Lebensspannenperspektive gegeben. Die Befunde zu den Langzeitfolgen der Traumatisierungen während des Zweiten Weltkrieges werden dazu exemplarisch dargestellt und diskutiert.

Fr 9:00 - 10:30

11:00 - 12:30 Symposien 1

Keine Workshops in dieser Sitzung.

13:30 - 14:15 Preisverleihung und Preisvorträge

Keine Workshops in dieser Sitzung.

14:30 - 16:00 Symposien 2

Keine Workshops in dieser Sitzung.

16:30 - 18:00 Vorträge

Intrauterine Mechanismen der intergenerationalen Transmission mütterlichen Kindheitstraumas

Claudia Buss

Traumatische Kindheitserfahrungen können nicht nur für die betroffene Person sondern auch für ihre Nachkommen langfristige gesundheitliche Konsequenzen haben. Aktuell ist noch wenig bekannt über die Zeitfenster, Mechanismen und zugrunde liegenden physiologischen Veränderungen, die dem erhöhten Krankheitsrisiko in der nächsten Generation zugrunde liegen. Basierend auf Konzepten der biologischen Einbettung früher Erfahrungen und der fetalen Ursprünge von Krankheit und Gesundheit wird ein Modell präsentiert, wie frühkindliche Traumatisierung über Generationen hinweg weitergebenen werden kann. Es werden des Weiteren empirische Daten vorgestellt, welche darauf hinweisen, dass die Periode der embryonalen und fetalen Entwicklung eine besonders sensitive Entwicklungsperiode für die intergenerationale Transmission mütterlichen Kindheitstraumas darstellt, dass das sich entwickelnde Gehirn ein ganz besonders vulnerables Zielorgan ist und dass stress-sensitive mütterlich-plazentale-fetale biologische (endokrine und immunologische) Pfade eine Rolle  bei der intergenerationalen Transmission spielen können. Diese Forschung ist deshalb sowohl wissenschaftlich als auch klinisch von hoher Relevanz, weil sie darauf abzielt, ein besseres Verständnis zu erlangen des „wann“, „was“ und „wie“ der intergenerationalen Transmission von traumatischen Kindheitserfahrungen mit Implikationen für die frühe Identifizierung, Prävention und Intervention.

Fr 16:30 - 18:00

Kinder mit sexualisierten Gewalterfahrungen stabilisieren – traumapädagogische Impulse für den pädagogischen Alltag

Kinder sind in unserer Gesellschaft häufig sowohl der individuellen Macht ihrer Bezugspersonen als auch der institutionellen Macht der sie betreuenden Einrichtungen ausgesetzt – ihre Situation ist so durch erhöhte Vulnerabilität, Verletzungsoffenheit und Abhängigkeitsverhältnisse gekennzeichnet. Dadurch tragen sie ein hohes Risiko, dass diese Macht (auch) sexualisiert ausgelebt wird und in der Folge traumatisierend wirken kann. Betroffene Kinder brauchen daher eine wirksame Unterstützung zur Stabilisierung. Dabei gerät neben therapeutischen Aspekten auch der Alltag in den Blick. Fachkräfte in Kindertagesstätten, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe oder auch der Behindertenhilfe sind oft die ersten Ansprechpersonen und sind daher im Laufe ihres Berufslebens immer wieder mit dem spezifischen Hilfebedarf konfrontiert, den Kinder haben, die sexuell missbraucht wurden. Aber nach wie vor fühlen sich pädagogische Fachkräfte häufig unsicher, wie sie Kindern nach Aufdeckung eines sexuellen Missbrauchs helfend zur Seite stehen und bei ihnen durch Interventionen im Alltag zur Aktivierung von Selbstheilungskräften und günstigen Verarbeitungsstrategien beitragen können. Dieser Vortrag stellt die Ergebnisse eines Forschungsprojektes zur Tertiärprävention sexualisierter Gewalt sowie ein bundesweites Modellprojekt (Beraten & Stärken) vor. Vor dem Hintergrund traumapädagogischer Überlegungen soll dargelegt werden, wie Kinder mit sexualisierten Gewalterfahrungen Unterstützung erhalten und professionelle Bezugspersonen an Handlungssicherheit gewinnen können.

Fr 16:30 - 18:00

18:15 - 19:30 DeGPT-Mitgliederversammlung

Keine Workshops in dieser Sitzung.

Samstag 15 Feb 2020

9:00 - 10:30 Vorträge

Psychologische Transmission der Borderline Störung

Babette Renneberg

Wie bei anderen psychischen Störungen auch, gehen Ätiologiemodelle der Borderline Persönlichkeitsstörung von einem bio-psycho-sozialen Bedingungsgefüge aus. Neben genetischen Faktoren spielen soziale und psychische Faktoren eine bedeutsame Rolle für das Entstehen dieser schweren psychischen Störung.  Viele der ätiologischen Faktoren, wie z.B. die genetische Ausstattung sind zunächst nicht beeinflussbar. Ein Faktor, der zur Entstehung der Borderline Störung beiträgt und der veränderbar ist, ist das Erziehungsverhalten der Eltern. Aktuelle Studien zum elterlichen Erziehungsverhalten werden erläutert und in ein umfassendes Transmissionsmodell integriert. Zentral für die Borderline Störung sind Defizite in der Emotionsregulation, daher liegt ein Fokus auf der Transmission der Fähigkeiten zur Emotionsregulation. Implikationen für Forschung und Praxis werden abgeleitet.

Sa 9:00 - 10:30

Biomolekulare Spuren von traumatischem Stress – eine transgenerationale Perspektive

Iris Kolassa

Belastungen durch chronischen, exzessiven und traumatischen Stress kumulieren über die Lebensspanne und erhöhen in einer Dosis-Wirkungsbeziehung das Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen. Auf molekularer Ebene führt Stress zu mehr zellulären Schädigungen durch oxidativen Stress und chronische Entzündungsprozesse, die letztlich den bioenergetischen Stoffwechsel der Kraftwerke unserer Zellen, den Mitochondrien, in unserem Körper beeinflussen. Darüber hinaus scheinen Stresserfahrungen im Leben der Mutter intergenerational durch veränderte physiologische Prozesse während der Schwangerschaft auf die nächste Generation weitergegeben zu werden. Im Vortrag werden die Hauptbefunde aus der Ulmer „Meine Kindheit – Deine Kindheit“-Studie vorgestellt. Diese zeigen die biomolekularen Folgen von Missbrauch und Misshandlung in der Kindheit bei werdenden Müttern und ihren Neugeborenen auf und weisen Pfade für das Verständnis von Risiko ebenso wie Resilienz auf.

Sa 9:00 - 10:30

11:00 - 12:30 Symposien 3

Keine Workshops in dieser Sitzung.

13:15 - 14:00 Postersession

Keine Workshops in dieser Sitzung.

14:15 - 15:45 Symposien 4

Keine Workshops in dieser Sitzung.

16:00 - 16:45 Vorträge

Den Entrechteten zu ihren Rechten zu verhelfen - Die Unterstützung und Ermächtigung von Überlebenden schwerster Menschenrechtsverletzungen durch die Arbeit des ECCHR

Patrick Kroker

Das Ziel unserer Arbeit beim European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) ist es, dem Unrecht das Recht entgegenzusetzen und die Überlebenden schwerster Menschenrechtsverletzungen dabei zu unterstützen, ihre Rechte auf Wahrheit, Wiedergutmachung, und Verfolgung der Täter*innen einzufordern.
Die Mittel, derer wir uns bedienen, reichen von Strafanzeigen bei der deutschen Bundeswanwaltschaft gegen hochrangige Regierungsmitarbeiter Assads wegen Folter in Syrien über eine Verwaltungsklage gegen die Bundesrepublik wegen der Nutzung der US Airbase Ramstein durch die US-Armee für ihren tödlichen Drohnenkrieg bis hin zur Zivilklage auf Schadensersatz der Hinterbliebenen eines Fabrikbrandes in Pakistan gegen den dort produzierenden deutschen Konzern KiK, um einige Beispiele aus unserer Arbeit zu nennen.
Täglich arbeiten wir mit Personen zusammen, die schwerste Traumatisierungen erlitten haben. Gemeinsam mit ihnen und Partner*innen weltweit versuchen wir, die Verantwortlichen für Folter, Kriegsverbrechen, sexualisierte Gewalt, wirtschaftlicher Ausbeutung und abgeschotteten Grenzen zur Verantwortung zu ziehen. Dabei kooperieren wir mit Organisationen, die psychosoziale Unterstützung für Überlebende schwerster Gewalt anbieten. Sie unterstützen die Betroffenen, mit denen wir zusammen arbeiten und stehen uns beratend zur Seite.
Aus dieser Arbeit möchte ich ihnen im Rahmen meines Vortrags berichten.

Sa 16:00 - 16:45